Gorges du Todra, 10.05.09
Heute liessen wir uns schön Zeit mit dem Frühstück, denn es ist ja Sonntag. Christa hatte die Nacht gut durchgeschlafen und auch der Durchfall und der Magen haben sich etwas beruhigt, waren aber noch ziemlich sensibel. Deshalb zog sie es vor, im Bett zu bleiben und für sie einen Ruhetag einzuschalten. Wir versorgten sie noch mit genügend Wasser und Bananen und empfahlen sie der Obhut des freundlichen Hotelpersonals. Der Hotelboy versicherte uns insbrünstig, dass er persönlich auf “la Gazelle“ aufpassen werde, was uns ungemein beruhigte…..
In zügigem Tempo, 90km/h ist das höchste der Gefühle auf diesen welligen Strassen, spulten wir die 50 km von Boumalne-de-Dades nach Tineghir ab. Dann zweigt die Strasse links weg in den Gorges du Todra. In grossen Kurven ging es zum teil steil dem Berghang entlang über verschiedene Stufen zu den verstreuten Dörfern. Und immer wieder hatten wir eine atemberaubende Aussicht zurück auf die Stadt Tineghir. Dann durchquerten wir den grünen Palmengürtel, wo links und rechts der Strasse schöne Hotels und Pensionen mit einladenden Terrassen gebaut worden sind. Die Strasse wurde nun immer enger und wir “kämpften“ wieder verbissen um den kargen Teerstreifen in der Mitte. Es war ziemlich viel Verkehr auf der Strasse unterwegs. Auch voll geladene Lastwagen und alte stinkig russende Busse quälten sich in beiden Richtungen über die Bergstrasse. In den Dörfern standen viele Kinder am Strassenrand und versuchten einen Dirham zu erhaschen. Es war auf der ganzen Strecke riesig was los, so quasi marokkanischer Sonntagsverkehr….
Beim Schluchteingang wurde uns dann von einem sehr offiziell gekleideten Herrn 5 Dirham pro Motorrad als Eintritt abgenommen. Und dann ging es rein in die Schlucht!! Durch die enge Stelle, wo es nur Platz hatte für einen schmalen Strassenstreifen und das Flussbett der Todra. Links und rechts türmen sich mehrere Hundert Meter die kahlen Felswände senkrecht auf. Und alles wollte oder musste da durch!! An einigen Stellen hatten Händler ihre Stände mit den farbigen Tüchern aufgestellt und versuchten ihre Waren an die Besucher loszuwerden. Und durch alles zwängten sich auch noch die Autos, Lastwagen und Busse….
Wir stellten unsere Motorräder ab und staunten einfach nur noch, was hier los war. Zu unserem erstaunen sahen wir praktisch keine europäische Touristen, sondern nur marokkanische Reisende oder Ausflügler. Sofort waren wir wieder umringt von Leuten, die unsere Maschinen bestaunten. Drei Jungs kamen auf uns zu, und begrüssten uns ganz freundlich mit Handschlag. Dann fragten sie extrem höflich, ob sie ein Foto von der Maschine machen dürften. Natürlich waren wir einverstanden. Als er sich davor stellte, sagten wir ihm, dass er auf die Maschine sitzen darf. Stolz winkte er dem Fotografen zu und die Augen leuchteten freudig als er sich bei uns bedankte. Natürlich wollten seine Freunde ebenfalls ein Bild von sich und der Maschine. Und dann ging es los!!! Jetzt kam eine Gruppe junger, hübscher und traditionell gekleideter Frauen, die ebenfalls gerne ein Bild von sich und den Motorrädern hätten. Dahinter standen schon die nächsten an und Pia musste anfangen den Ansturm ein bisschen zu ordnen, während dem Fredi und ich den hübschen Girls beim Aufsteigen auf das Motorrad behilflich waren. Und jede warf sich dann vor ihren Freundinnen in Pose, mal sexy, mal melancholisch verträumt, man glaubte es wäre eine Fotosession für die Titelseite der nächsten Le Vouge….. Wir haben nur noch gestaunt und uns köstlich amüsiert…..
Wir fuhren nun weiter durch die Schlucht auf einer schmalen aber geteerten Strasse. Touristen und Ausflügler hat es jetzt keine mehr. Die fahren alle nur bis zur engen Stelle und fahren dann wieder zurück. Auch die Busse mit den Freiengästen aus den Hotels oder den Reisegesellschaften fahren nicht weiter. Die Strasse führt nun durch einen langen und tiefen Canyon, der sich in grossen und zum Teil ganz engen Kurven durch das Bergmassiv windet. Es ist nun ganz still. An den steilen Hängen kann man Berberkinder sehen, die ihre Ziegen und Schafe hüten. Ihre Berberzelte sind sehr versteckt und nur schlecht auszumachen. Und dann stehen wir bei der Dorfeinfahrt von Tamtattouchte. Das Dorf liegt wunderschön eingebettet in die Hänge und ist eingerahmt von Berghängen mit ganz eigenartigen Felsstrukturen, als ob ein Riese mit dem Rechen Verzierungen gezeichnet hätte. Im Hintergrund leuchte in hellen Farben die Gipfel des Hohen Atlas. Das ganze sieht aus wie ein Bild aus dem Tibet….
In Tamtattouchte machten wir eine Rast unter den Berberzelten bei Chez Baddou. Wieder eine Oase der Ruhe und des Friedens. In der Küche erlaubte mir die Köchin einen Blick in die Tagine-Töpfe auf dem Herd zu werfen. Ahhh, wie das duftete, da kommen dir die Tränen und das Wasser läuft im Munde zusammen. Einfach herrlich!
Doch leider konnten wir nicht bleiben und mussten wieder zurück in unser Hotel, wo Christa auf uns wartet. Die Rückfahrt war problemlos. In Tingehir versuchte ich in einem Internet-Cafe einen Bericht und einige Bilder auf die Homepage zu laden, doch das gestaltete sich schwierig an. Die Kiste war so was von langsam, dass ich bei den Bildern kapitulieren musste. Um 19h00 kamen wir etwas nach Sonnenuntergang im Hotel an. Christa hat sich auch wieder gut erholt und konnte mit uns das Nachtessen geniessen.
Unsere Erzählungen haben dazu geführt, dass wir nicht weiterfahren werden, bevor Christa die Todraschlucht nicht auch gesehen hat. Und das werden wir am nächsten Tag unternehmen.


